Willkommen im Mittelalter…

manchmal aergere ich mich, wenn ich die aktuellen Conventions durchgehe, die Artistlists studiere und beim stoebern in den Untiefen des Webs dann auf „Ohrlochschiessen“ stosse.

Eigentlich aergere ich mich immer darueber, bei Juwelieren, bei Modeschmucktandlern und Friseuren .. es aergert mich, dass man immer noch Ohrlochpistolen verwendet. Es gibt eine schonende, saubere, bessere Alternative und doch verwenden einige, obwohl sie es besser wissen muessten, diese archaische Methode.

Die Knarre gibt es oft bei der Erstbestellung der Ohrstecker dazu fuer das „Studio“. Hunderter Pack bunte Stecker, eine Flasche Kodan und nen Sack Wattepads. Kein Wunder, dass schiessen nur ein Viertel des Stechens kostet. Keine Einwegnadel, kein frisch sterilierter Schmuck, keine sterilsierten Klammern.

Ein „Ohrstecker“ ist im Vergleich zu einer Kanuele regelrecht stumpf. Schliesslich soll man sich spaeter nicht daran verletzen koennen. Verschlossen wird das System mittels eines kleinen „Schmetterlingsverschlusses“. Beim „schiessen“ wird nun mittels einer „Pistole“ der stumpfe Schmuck mit Gewalt durch das Gewebe getrieben, der Verschluss dagegen gedrueckt, bis er einrastet. Fertig.

Dabei wird das Gewebe eben nicht, wie so gerne suggeriert, durchstochen, sondern zerfetzt. Das ganze geht relativ schnell, wenn sich der ganze Mist nicht verkantet und der schreiende Blag mit dem ganzen Klimbim am Ohr durch den Laden rennt.. aber eben nicht ohne Schaden. Haut, Fettgewebe, Blutgefaesse aber auch das heilt irgendwann.

Beim stechen mit einer Venenverweilkanuele bestimmt man sicher den Ein- und Austrittspunkt1, hat einen kurzen, nicht sehr unangenehmen Pieks und selbst wenn das anschliessende Einsetzen des Schmucks dauert, keinen Schaden am umliegenden Gewebe.

Auf die Spitze treiben es diese Schussapparatehandwerker oft noch mit Pflegehinweisen wie „immer schoen drehen, damit es nicht einwaechst“. Was zum Henker soll denn da wo, einwachsen? Finger weg und gut, wie bei jedem Piercing. Drehen und Rumbasteln foerdert nur mehr Dreck in die Wunde und reizt. Es soll sich in aller Ruhe eine Haut im Stichkanal bilden und abheilen. Sicher, die geschossenen Ohrloecher, mit gequetschtem Gewebe, anschwellenden Ohrlaeppchen, da wuerde ich auch Panik bekommen, wenn der Verschluss nur noch im Gewebe tastbar waere. Da nuetzt aber „viel drehen“ auch nichts mehr.

Ohrlochschiessen, das kann jeder Dorfdoedel nach 2 min. Piercing, also das wissen um die Technik, die Anatomie, die Risiken, das dauert. In dem Beispiel-Screenshot scheint man zumindest Knorpel generell nur zu piercen, denn hier sind die Risiken ungleich hoeher, wenn man schiesst. Keloid, hypertrophe Narben oder Blumenkohlohr sind da noch die geringsten der moeglichen Sorgen.

GunpiercingEar_Piercing_Gun

Hinweise auf die mittlerweile schon lange nachgewiesenen Risiken der HEP2 und HIV Uebertragung durch diese nur schlecht sterilisierbaren Schussgeraete seien hier nur der Vollstaendigkeit halber angefuehrt. Die Pistolen sind zu einem Grossteil aus Plastik und damit nicht geeignet fuer einen Autoklaven, dass heisst, man kann sie nicht sterilisieren. Das einspruehen mit Kodan oder anderen Desinfektionssprays hat NICHTS mit Sterilisation zu tun.

Und es heisst Rook, nicht Rock.

  1. bei der Pistole sehr vage []
  2. Hepatitis []

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