Gestern war es noch ein Bier, Corona…

In den nächsten Tagen kommen vermutlich noch ein gerüttelt Mass an Absagen dazu, die Gesundheitsämter der Kommunen stehen aktuell nicht auf Menschenmengen. Kann man ihnen momentan auch nicht ganz übel nehmen, auch wenn die eigene Veranstaltung darunter leidet oder eine Messe, auf die man sich schon lange freut, einfach abgeblasen oder zumindest verschoben wird.

Aber warum das alles und wer bestimmt ob eine Messe stattfindet?
Nun, dank eines föderalen Systems liegt die Hoheit, über Daumen hoch oder Daumen runter für eine Messe dann eben beim lokalen Gesundheitsamt. Dies soll vor allem helfen, schnell und effektiv und damit mit einer gewissen Effizienz handeln zu können, zum anderen kennt der ortsansässige Onkel eben die Gegebenheiten einer Halle, einer Fläche, was auch immer, um ein vielfaches besser als ein Schreibtischtäter in Bonn, sorry Berlin.

Hat der dann auch Ahnung?
Joooooaaahh … da wirds dann vermutlich ein wenig kniffliger. Ganz auf der Brennsuppen ist man vermutlich nicht dahergeschwommen, wenn man bestimmte Entscheidungen treffen darf.
Im Grunde handelt man besierend auf eigener Kompetenz, Erfahrung und auf Empfehlungen der jeweiligen Landesregierung, der Gesundheitsministerien, der Staatsregierung und dem Stand der Wissenschaft. Glaskugeln hat da keiner am Start (hoffen wir). Stichwort “uff, mal bei xy anrufen, wie haben die das geregelt”.

Corona ist voll harmlos, das gab’s schon 2015 sagt meine Sagrotanflasche.
Da hat sie recht, die Flasche. Coronavirus bezeichnet die Familie, zu der auch der Sars-CoV-2 Erreger gehört, der die Lungenkrankheit Covid-19 auslöst (oder besser, auslösen kann).

An der Grippe sterben viel mehr Menschen und keiner flennt rum.
Doch, da flennen viele rum, vor allem Angehörige und Freunde. Das Problem bei Influenza ist, dass wie bei Covid-19 vor allem Vorerkrankte mit schlechtem Allgemeinzustand oder Atemwegserkrankungen, wie Asthma oder COPD die am stärksten gefährdete Gruppe ist.
Und zum Thema “Gripptetote gibt es viel mehr” .. sagen wir, noch….

Das Problem bei diesem Vergleich ist vor allem die Interpretation der Zahlen. Die Herkunft ist an sich schon ok, kommen sie ja vom Statistischen Bundesamt und wird für 2017/18 mit knapp 25.000 angegeben, dies ist jedoch die Exzess-Mortalität, also Übersterblichkeit. Wie bei vielen schweren Erkrankungen ist am Ende nicht die Grippe, sondern zum Beispiel eine sekundäre Lungenentzündung die Todesursache und ohne Virusnachweis (wozu auch, wenn der Patient längst tot ist) fällt es nicht in die Zahl der Gripptetoten an sich, die ist weiter etwa 1.700.

Na und, dann kann Corona nicht schlimmer werden.
Äh .. doch. Die aktuelle Mortalitätsraten mal im Vergleich, für den Fall, dass jemand ein Seuchenquartett basteln will.
Influenza / Grippe: 0,1-0,2% -> 1 bis 2 von 1000 erkrankten Menschen sterben.
Covid-19 / Sars-Cov-2: 0,7-3,4% -> 7 bis zu 34 von 1000 erkrankten Menschen sterben.
Und diese Zahl mal wirken lassen, wenn man bedenkt, dass sich theoretisch jeder, also wirklich jeder anstecken kann ohne Impfung oder Immunität.

Und nun steht der lustige Onkel vom Gesundheitsamt in der Tür. Grippeimpfung gibt’s .. das Risiko, selbst in einer Grippesaison (Spätherbst/Winter) mit einer Ansteckungs- oder Erkrankungsrate über die “üblichen” Zahlen zu kommen, ist klein. Inzwischen ist Grippe eben allgemeines Lebensrisiko.
Leider gibt es stand Heute keinen SARS-CoV2 Impfstoff und damit kann man (lustiger Querverweis auf Masern) nicht über eine Herdenimmunität die schwächsten Glieder in der Kette schützen. Schade, Schokolade.

Aber mein Desinfektionsmittel sagt es zerstört den Virus!
Ja, ist ja recht, macht es auch. So wie regelmässig Händewaschen. Bei der Absage der Tattooconventions geht auch keiner davon aus, dass die Viren direkt vom bösen Tintenmann injiziert werden oder die Arbeitsplätze nicht sauber seien. Es geht um die Masse an Menschen, die dicht an dicht gedrängt in schlecht belüfteten Orten stehen, sich anhusten und eben nicht nach Kontakt mit Menschen, Türklinken, Flaschen, Dosen, Besteck, Flyern, Klamotten, Tischen usw. die Flosschen waschen können. Es soll ja Menschen gegeben haben, die Sterilium gesoffen und mit Bleiche gegurgelt haben, da wird sich Herr Darwin vor Lachen ins Leichenhemd gepisst haben.
Wenn die aktuelle Panik geschwunden ist, finden wir sicher reihenweise Steriliumspender in den Hallen, Hinweise zur Hygiene und den Aufruf mit akuten Erkältungssymptomen nicht zu einer Messe zu fahren. Aber im Moment herrscht eben eine gewissen Hektik vor, die Entscheidungen provozieren, bei denen man sicherer ist, statt hinterher einfach schlauer.

Wir schliessen sicher nicht aus, dass die Massnahmen, die die Gesundheitsämter treffen oder die manche Veranstalter selber als Konsequenz ziehen, zu drastisch sind. Die Frage, die sich jedoch jeder stellte,
“Was, wenn ausgerechnet bei mir die Pest losbricht, da werd’ ich meines Lebens nicht mehr froh.”
Diese Angst, unbegründet, übertrieben oder gerechtfertigt, führt zu Entscheidungen und diese traf man nicht nur für Tattooconventions, auch die Internationale Handwerksmesse in München, die Leipziger Buchmesse wurden abgesagt. Es betrifft alle. Ja, für uns auch sehr ärgerlich und umso mehr freuen wir uns darauf, nach dem ganzen Spuk, wieder alle gesund und munter wiederzusehen.

Aufmacher-Bild: PublicDomain-Wikipedia

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