Tattoo Tage Rosenheim 2016

oder wie der vollstaendige Name lautet, die 7. oberbairisch internationalen Tattoo & Koerperkunsttage in Rosenheim fanden am 22. und 23.10.2016 statt.

Die Veranstalter behielten so ziemlich alles bei, was im Vorjahr den Erfolg ausmachte. Gut getimetes Programm, puenktlicher Ablauf, brauchbares Catering und dieses Jahr, sehr frueh beginnende Contests.

Wartet man bei anderen Veranstaltern teilweise bis in die nicht mehr so fruehen Abendstunden, startet man bereits um 15:00h mit den ersten Vergleichswettbewerben.

So wurde am Samstag nachmittag bereits Best of Crazy und Best of Lettering gekuert. Kurze Vorlaufzeit, kein Anspruch da einen massiven Fullsleeve abzuliefern aber eben etwas verruecktes, ungewoehnliches oder zumindest „mal ganz anders umgesetztes“ vorzustellen oder eben bei den Schriftarten ein max. 20×8 cm Piece mit aussergewoehnlich gutem Design.

An dieser Stelle schon mal eine kleine Vorwarnung, insgesamt sind 200 Bilder in diesem Bericht. Wir suchen immer lange und gruendlich um die wichtigsten Sachen zu liefern, in Rosenheim fiel es uns wieder besonders schwer, etwas weg zu lassen.

Die Inntalhalle wurde alle 30 min kurz durchgelueftet, denn obwohl der Oktober bereits seine niedrigen Temperaturen durch die oberbayrische Landschaft drueckt, war es am Buehnenende der Halle recht warm.

Rund 90 Taetowierer und bald ein Dutzend Haendler teilten sich den Platz, der genuegend grosse Gaenge zum flanieren bot. Eng wurde es nur zur absoluten PrimeTime, also taeglich zwischen 14:00 und 17:00.

Wem es kurzfristig zu eng wurde, der konnte den Cateringbereich aufsuchen, etwas Essen oder Trinken. Die Auswahl war reichlich. Preise im gesunden Mittelfeld, kein Nepp aber auch nicht geschenkt.

 

 

Gefahr! Vom Studio direkt in die Leichenhalle…

so koennte man den aktuellen Beitrag aus dem Aerzteblatt1 deuten.  Wehe, wehe, wenn ich auf die Inhaltsstoffe sehe.

Doch stimmt es alles so, wie es Dr. Sven J. in seiner Abhandlung schildert? Oder liegen zwischen den medizinischen Fakten und dem, was dem 59 jaehrigen Berliner Patienten passierte, noch eine gewisse Grauzone aus Unwaegbarkeiten?

Die selbst in der „Welt“ getitelte Gefahr ueber die schlimmen und boesen Neben- und Wechselwirkungen beim einbringen von Farbe in die Haut, geraet doch leicht ins Wanken, wenn man die Daten mal perspektivisch gerade rueckt. Man hat in der Tinte, die zum Zwecke der Analyse angefordert wurde zwar Formaldehyd entdeckt, dies auch brav in Zahlen festgehalten und notiert, dass dieser Bestandteil zum Zwecke der Konservierung enthalten sein darf, jedoch nicht angegeben, wo denn hier eine eventuelle Hochstgrenze erreicht gewesen waere.

Wir sprechen hier von ppm .. also mg pro kg Tinte. In Zahlen, 63mg, bzw. 11 mg freies Formaldehyd pro Kilogramm schwarzer Tinte.

Auch wenn sich der Bericht, der eben durch alle Gazetten geistert, klingt wie „Bild war gerade noch Live dabei“, handelt es sich um einen Einzelfall aus dem Jahr 2015, bei dem ein fast 60 jaehriger, koerperlich eher leicht angeschlagener Mann mit diversen Vorerkrankungen2 Stunden nach dem CoverUp einer Jungendsuende3 mit Anzeichen eines anaphylaktischen Schocks in der Notaufnahme einfindet.

Leichte Schwellungen am Arm, Wange, Lippe und Zunge erschweren das Atmen, die Saettigung liegt trotzdem bei 99% O² und ansonsten ohne erkennbare Symptome wird er mit Prednisolon und Antihistaminika behandelt und er kann kurz darauf entlassen werden. Einen Allergietest lehnt er ab.

Selbst wenn es eine Reaktion auf einen oder mehre Inhaltsstoffe gewesen sein koennte, so bleibt die Wahrheit doch verborgen und alles weitere ist raten. Genauso wahrscheinlich ist eine reichliche Applikation von Oberflaechenanaesthetikum durch Kunde oder Kuenstler waehrend des Taetowierens und eine Reaktion auf deren Inhaltsstoffe.

Lidocain, Tetracain, Emla. Begriffe die man nicht gerne in Zusammenhang mit der Koerperkunst hoert und dennoch weiss man, es gibt diverse Mittelchen und diese boeten ebenso hohes Risikopotential wie „Tinte“.

  1. Dtsch Arztebl Int 2016; 113(40): 672-5; DOI: 10.3238/arztebl.2016.0672 []
  2. vor meinem geistigen Auge manifestiert sich ein bisschen der Typus Gerard Depardieu []
  3. etwa 30 Jahre altes Tattoo []