Tattoo Expo Zwickau 2016

wie schon im Vorjahr praesentierte Randy Engelhard, der mittlerweile nicht nur mit seinem Studio „Heaven of Colours“ auf der ganzen Welt einer der Topkuenstler ist, seine Tattoo Expo im beschaulichen Zwickau. Neben seiner Convention und seinen Arbeiten, ist er durch „Horror Tattoos“ auf dem Spartensender Sixx mittlerweile in allen Wohnzimmern.

Leider schafften wir es nicht, die kurzfristige Einladung zur Messe wahrzunehmen aber Klim war so freundlich uns mit Bildmaterial zu versorgen. Klim ist der Mann an Dinas Seite, die wir hier bereits vorstellten.

Atmosphaere, Stimmung, Unterhaltungsprogramm, alles richtig gut. Die Location wie zuvor spektakulaer und die dargebotenen Kunst, wie bei der Ausstellerliste nicht anders zu erwarten, auf Weltniveau.

Hier also ein paar Impressionen von der Expo in Zwickau.

Gut geklaut ist halb verklagt…

„…wenn es im Netz ist, dann kann ich das wohl verwenden, war ja kein Schild dran.“

Klingt logisch. Wenn es irgendwo in den weiten des Internets etwas hybsches gibt, dann schnappt man sich das. Seien es Bilder, Musik, Filme, egal. Wenn jemand nicht explizit dazu schreibt, am besten quer drueber und in grossen roten Lettern, dass man eine Kopie zu unterlassen hat, dann ist es automagisch gemeinfrei. Denkste Puppe.

Zitat aus Wikipedia:

Eine Urheberrechtsverletzung ist ein Verstoß gegen die Urheberrechte. ... ein Verstoß gegen die im deutschen Urheberrechtsgesetz definierten Verwertungsrechte oder die Aneignung eines fremden Werkes unter eigenem Namen (Plagiat). Ein häufiger Verstoß besteht in einer rechtswidrig hergestellten oder verbreiteten Kopie von urheberrechtlich geschützten – meist elektronischen – Medien.

In diesem fast schon zum Schreien komischen Fall, hat ein Studio auf seiner Facebook Seite ein paar sehr niedliche Cupcake Vorlagen gezeigt, die sie gerne unter die Haut der zuckeraffinen Kundschaft bringen moechten. Diese Vorlagen gefallen auch einer „Kuenstlerin“ aus einer kleinen Stadt am Niederrhein. Ohne gross zu ueberlegen schnappt sie sich also die Vorlage und jubelt die Cupcakes fuer 75.- Taler unters Volk.

Die Kritik, dass man eben nicht einfach Motive aus dem Netz klauen darf, wird bruesk zurueckgewiesen, beinahe mochte man meinen, da haette jemand „zufaellig Jura mit Bachelor in Master“ studiert.

Guten morgen ihr lieben disskusions freudigen Menschen  wenn der Zeichner dieser netten cupcakes damit ein Problem hat,sollte man diese nicht ins Netz stellen.ansonsten bitte mich persönlich anschreiben  und NEIN,ich kopierte nicht nur ich arbeite wie alle anderen tattoo artist auch! Wenn jemand was aus dem netzt möchte, warum soll er es nicht kriegen?! Also haltet den ball flach ihr Neider! Leben und leben lassen die einzigen die sich hier lächerlich machen,sind die die hier so einen shit storm verbreiten

Ein Knaller auch die Aussage nachdem man auf die Strafbarkeit der Handlung hingewiesen hat.

Wäre mir bewusst das man das nicht darf,hatte ich es so gemacht,und nicht online gestellt wo es die ganze Welt sieht

Statt „dann haette ich es nicht gemacht“ einfach „dann haette ich es trotzdem gemacht aber mich nicht so plump erwischen lassen“. Da moechte man sich doch vor Lachen auf den Schenkel klopfen oder auf die Stirn oder Kopf auf Tisch, ich weiss es nicht. Die echten Cupcakes gibt es uebrigens bei DEA Vectorink, die auch auf der Ink Explosion in Moenchengladbach vertreten sein werden. Falls jemand einen Muffin oder Cupcake braucht.

der_cupcake_mord

Cupcake_Outlaws

Willkommen im Mittelalter…

manchmal aergere ich mich, wenn ich die aktuellen Conventions durchgehe, die Artistlists studiere und beim stoebern in den Untiefen des Webs dann auf „Ohrlochschiessen“ stosse.

Eigentlich aergere ich mich immer darueber, bei Juwelieren, bei Modeschmucktandlern und Friseuren .. es aergert mich, dass man immer noch Ohrlochpistolen verwendet. Es gibt eine schonende, saubere, bessere Alternative und doch verwenden einige, obwohl sie es besser wissen muessten, diese archaische Methode.

Die Knarre gibt es oft bei der Erstbestellung der Ohrstecker dazu fuer das „Studio“. Hunderter Pack bunte Stecker, eine Flasche Kodan und nen Sack Wattepads. Kein Wunder, dass schiessen nur ein Viertel des Stechens kostet. Keine Einwegnadel, kein frisch sterilierter Schmuck, keine sterilsierten Klammern.

Ein „Ohrstecker“ ist im Vergleich zu einer Kanuele regelrecht stumpf. Schliesslich soll man sich spaeter nicht daran verletzen koennen. Verschlossen wird das System mittels eines kleinen „Schmetterlingsverschlusses“. Beim „schiessen“ wird nun mittels einer „Pistole“ der stumpfe Schmuck mit Gewalt durch das Gewebe getrieben, der Verschluss dagegen gedrueckt, bis er einrastet. Fertig.

Dabei wird das Gewebe eben nicht, wie so gerne suggeriert, durchstochen, sondern zerfetzt. Das ganze geht relativ schnell, wenn sich der ganze Mist nicht verkantet und der schreiende Blag mit dem ganzen Klimbim am Ohr durch den Laden rennt.. aber eben nicht ohne Schaden. Haut, Fettgewebe, Blutgefaesse aber auch das heilt irgendwann.

Beim stechen mit einer Venenverweilkanuele bestimmt man sicher den Ein- und Austrittspunkt1, hat einen kurzen, nicht sehr unangenehmen Pieks und selbst wenn das anschliessende Einsetzen des Schmucks dauert, keinen Schaden am umliegenden Gewebe.

Auf die Spitze treiben es diese Schussapparatehandwerker oft noch mit Pflegehinweisen wie „immer schoen drehen, damit es nicht einwaechst“. Was zum Henker soll denn da wo, einwachsen? Finger weg und gut, wie bei jedem Piercing. Drehen und Rumbasteln foerdert nur mehr Dreck in die Wunde und reizt. Es soll sich in aller Ruhe eine Haut im Stichkanal bilden und abheilen. Sicher, die geschossenen Ohrloecher, mit gequetschtem Gewebe, anschwellenden Ohrlaeppchen, da wuerde ich auch Panik bekommen, wenn der Verschluss nur noch im Gewebe tastbar waere. Da nuetzt aber „viel drehen“ auch nichts mehr.

Ohrlochschiessen, das kann jeder Dorfdoedel nach 2 min. Piercing, also das wissen um die Technik, die Anatomie, die Risiken, das dauert. In dem Beispiel-Screenshot scheint man zumindest Knorpel generell nur zu piercen, denn hier sind die Risiken ungleich hoeher, wenn man schiesst. Keloid, hypertrophe Narben oder Blumenkohlohr sind da noch die geringsten der moeglichen Sorgen.

GunpiercingEar_Piercing_Gun

Hinweise auf die mittlerweile schon lange nachgewiesenen Risiken der HEP2 und HIV Uebertragung durch diese nur schlecht sterilisierbaren Schussgeraete seien hier nur der Vollstaendigkeit halber angefuehrt. Die Pistolen sind zu einem Grossteil aus Plastik und damit nicht geeignet fuer einen Autoklaven, dass heisst, man kann sie nicht sterilisieren. Das einspruehen mit Kodan oder anderen Desinfektionssprays hat NICHTS mit Sterilisation zu tun.

Und es heisst Rook, nicht Rock.

  1. bei der Pistole sehr vage []
  2. Hepatitis []

Skulls gehen immer…

erstmals im Dezember 2014 hatte ich ein Auge auf die junge Dame geworfen. Bei der Convention Moosburg konnte ich mitverfolgen, wie ein Bildnis auf der Haut entstand, dass mir Gaensehaut verursachte. Die Details, die Schatten und die Genauigkeit waren einfach toll. Oft leiden solche Portraits an leichten Perspektivfehlern, hier stimmte jedoch alles.  Im Folgejahr, ebenfalls in Moosburg raeumte Dina wieder ab und wieder war es ein Portrait der Extraklasse.

Ueber das Jahr 2015 begegnete ich ihr dann noch weitere Male und stellte fest, diese unglaublich talentierte Frau, die ueberhaupt keine Starallueren zeigt, eher schuechtern zu Boden blickt wenn man ihre Arbeiten lobt, dass sie immer besser wurde.

Ende 2015 stand dann fest, von diesem Talent brauche ich ein Stueck Kunst auf der Haut. Kurz vor Weihnachten fuhren wir also nach Eggenfelden in das Studio von Dina um einen Termin auszumachen und die Motivwahl zu besprechen.

Vorgabe war lediglich Black and Grey, Oberschenkel, nicht zu klein. Den Rest sollte Dina sich aussuchen. Ueberrascht ob der Freiheiten, waehlte sie 3 Wunschmotive aus, die sie sehr gerne mal machen wuerde und die Auswahl fiel auf einen Schaedel mit reichlich Faltern / Motten.

Warten ist das schlimmste am taetowieren. Die Zeit zwischen Terminabsprache und dem eigentlichen Termin ist die Hoelle fuer mich. Je naeher die Convention in Erlangen rueckte, desto aufgeregter wurde ich. Da ich keine Hemmungen habe, mich auf einer Tattoomesse stechen zu lassen, ist die Wartezeit mit gut 6 Wochen zwar extra kurz ausgefallen, ich bin jedoch alles nur nicht geduldig.

Etwas ueber 5h dauerte die Prozedur, die nur selten unterbrochen wurde. Dem Bild beim entstehen zuzusehen, war eine Freude. Die Schmerzen hielten sich erwartungsgemaess in Grenzen, kaum unangenehmer als z.B. Schienbein oder Unterarm.

Nach ueberstandener Taetowiererei musste die Kuenstlerin natuerlich entlohnt, mehrfach umarmt und gelobt werden.

Der anschliessende Contest in der Kategorie Black and Grey hatte erwartungsgemaess recht viele Teilnehmer und die vorgestellten Werke waren von fantastischer Qualitaet. So bangte Dina bereits im Vorfeld, ob man denn ueberhaupt unter den ersten 10 komme. Sehr jung im Tattoogeschaeft, ist sich die Kuenstlerin1 noch unsicher, ob sie wirklich schon gut genug ist um bei Wettbewerben zu bestehen und wie2 jedes Mal landet sie auf dem Treppchen. Diesmal mit einem verdienten 3. Platz.

Nicht umsonst wurde sie eingeladen an einer der renommiertesten deutschen  Messen teilzunehmen, der Schweinfurt Tattoo & Arts Convention 2016.

Wer sich einen Termin sichern will, der wende sich vertrauensvoll an:
Tattooart by DinaDidiDada
Kirchengasse 2
84307 Eggenfelden

P.S.: weiter Bilder folgen, wenn das Motiv abgeheilt ist 😉

  1. zu unrecht []
  2. beinahe []

4. Tattoomesse Erlangen 2016

endlich wieder Conventions. Eine gefuehlte Ewigkeit ist es her, dass wir zwischen Taetowierern, Haendlern und Kunden flanieren konnten. Nun war es wieder soweit und wir folgten der Einladung von Tattoo 5er zur Messe in Erlangen.

Erstmals in groesserer Halle, da wohl der Andrang von Kuenstlern und Kunden immer weiter zunahm, war auf der Vorabinfo zu lesen. So fuhren wir geschwind in das knapp 2h entfernte Erlangen zur LaOla Fussballarena. Vermutlich war der Andrang groesser als erwartet, denn es musste schon am Einlass auf 10er Gruppen aufgeteilt werden, damit der enge Gang, vorbei an den Toiletten zur Kasse nicht verstopfte. 10 rein, 1 min warten bis die Kunden im Innenbereich sind und dann die naechsten 10. Wir standen am ersten Tag doch fast 20 min in der Kaelte. Angenehm dabei, waren unsere „mit Wartenden“. Man merkt doch gleich, auf so eine Convention freut man sich und bleibt guter Laune und witzelt ueber die Wartezeit, statt laut zu meckern.

Bevor wir zu den 148 Bildern kommen, noch eine kleine Zusammenfassung unserer Eindruecke, Lob und auch Kritik.

Insgesamt eine tolle Auswahl an Kunstlern, jegliche Stilrichtungen und auch Techniken waren vertreten. Das Niveau war durchweg sehr hoch und die beim Contest vorgestellten Arbeiten an beiden Tagen eine Augenweide. Wie immer kann man bei der Motivwahl geteilter Meinung sein, die Umsetzung jedoch war meist tadellos.

Wenn das Catering1 ein wenig mehr Auswahl geboten haette und den Kunden erklaert worden waere, was mit dem zu erwerbenden Verzehrbon passiert, wenn man nicht die ganzen 10.- EUR verbraucht, waere viel gewonnen. Die Halle, unterteilt in 2 Bereiche, war eine interessante Variante, jedoch wird es mitunter extrem viel Laufarbeit, wenn man den ganzen Tag seine Runden dreht. Auch der Kunstrasen war nicht ganz mein Fall. Dringend empfohlen waeren jedoch mehr Toiletten. Mal sehen ob naechstes Jahr diese Location wieder vom Veranstalter gewaehlt wird.

Im Gesamten jedoch eine schoene Veranstaltung, die mit 10.- Eintritt pro Tag im preislichen Mittelfeld liegt und ein abwechslungsreiches Angebot lieferte. Reichlich Kuenstler, die mit freien Terminen um die Gunst der Kundschaft buhlten. Das Wochenende kann man als „gelungen“ bezeichnen.

Neben Livebands waren auch die Freakshow von Princess Tweedle Needle und  eine Suspension Performance geboten. Da war hoffentlich fuer jeden etwas dabei.

 

  1. sowohl fuer Kuenstler als auch Gaeste []